Liebe Tourismusverantwortliche
Fast unter höchster Geheimhaltung ist auch dieses Jahr die Sonderjagd in Graubünden im Gang. Diese so genannte Herbstjagd ist in unserem Kanton in Wirklichkeit ein Genozid an den Wildtieren - hier einige Fakten:
Was unter der Bezeichnung Herbstjagd in Graubünden stattfindet, präsentiert sich in Wirklichkeit als ein Abschuss der Wildbestände von Hirsch und Reh, um ein fragwürdiges Kontingent zu erreichen. Natürlich erscheint diese Sonderjagd auch als ein finanziell interessantes Zugeschäft für das Amt für Jagd und Fischerei.
Führende Hirschkühe, junge erwachsene Tiere, trächtige und noch säugende Kühe mit ihren Kälbern werden im bereits kniehohen Schnee von den teilnehmenden Jägern erbarmungslos gehetzt. In Schams, im Rheinwald und in Avers wurden dieses Jahr den Müttern die Kälber und Kitze brutal weggeschossen. Die Kühe stehen mit zitternden Flanken neben den toten Tieren, bevor sie in Todesangst fliehen. „Es wird solange gejagt, bis das letzte Kalb am Boden ist“, wie sich gewisse Jäger ausdrücken (die sich zum Teil mit Handy untereinander verständigen, um sich die Tiere besser zutreiben zu können). Das Ganze wird dabei möglichst geheim angegangen, getarnt unter dem Deckmantel von Hege und Naturliebe und als harmlose Herbstjagd abgetan. Damit werden auch Einheimische und viele Jäger, die sich nicht an der Sonderjagd beteiligen, als dumm verkauft, damit der Massenmord nicht in seiner ganzen Brutalität ans Licht kommt.
Wie will mit dieser Sonderjagd Graubünden als Ferienkanton bei den Gästen noch glaubhaft bleiben? Wie kann eine Tourismusregion, die solche Praktiken erlaubt, eine „schöne und friedliche Natur“ anbieten und gleichzeitig eine Jagdsaison von fast vier Monaten im Jahr erlauben, davon sechs Wochen als blutige Hetzjagd ohne Erbarmen?
Unsere Gäste reisen von weither an, um die idyllische Natur und unsere Vielfalt an (lebenden) Wildtieren zu erfahren, und wundern sich, dass sie seit Jahren nicht mehr viel davon zu sehen bekommen. Reguläre Jäger machen die Sonderjagd mit dafür verantwortlich. Sie versprengt die Tiere unnötig aus ihren Revieren, lässt sie noch schutzloser und scheuer zurück, und nur noch schwer für wirkliche Naturfreunde zu erleben.
Unsere Gemeinden und Tourismusorganisationen bemühen sich um Wildschutz- und Wildruhezonen, doch die Sonderjagd scheint dies alles zunichte zu machen. Was wenn unsere Gäste wüssten, was in der Nebensaison hinter den Kulissen der heilen Welt Graubündens passiert? Hoteliers haben uns bereits wissen lassen, dass Stammgäste ihre Ferien verschoben oder gar storniert haben, weil sie Augenzeugen dieser Sonderjagd wurden. Und leider ist selbst den Bündnerinnen und Bündner ist die grausame Realität der Sonderjagd nicht bewusst.
Auch wenn die Sonderjagd legal ist, sie aber fast im Geheimen stattfindet, so muss man sich doch dringend mit den ethischen Aspekten dieser Jagd und der verwerflichen Moral vieler teilnehmender Jäger befassen. Ein Tiergenozid in diesem Umfang hat mit würdiger Jagd nichts zu tun und ist Lichtjahre entfernt vom Tierschutz, den reguläre Jäger mitpflegen. Und vor allem ist er einer modernen Gesellschaft unwürdig.
Wir plädieren deshalb für die dringende Abschaffung der Sonderjagd!
Wildtierschutz Schweiz
Marion Theus
Präsidentin
Tel: 081 422 21 11




