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Bleischrot wozu?

Gemse / Foto: Olivier GillieronDass Blei giftig ist, ist seit Langem bekannt. Auch über seinen zerstörerischen Einfluss auf  Wildvögel  wird seit rund 125 Jahren berichtet.

Doch so richtig in den Fokus geriet die Bleidebatte erst vor knapp 30 Jahren. Damals litt in den USA die Population des Weisskopfseeadlers massiv unter Bleivergiftungen.

Greifvögel hatten sich beim Verzehr von angeschossenen Wildvögel und von bleihaltigem Aufbruch (Wildreste, die beim Ausweiden der Jagdbeute häufig vor Ort liegengelassen werden und Munitionsreste enthalten können) vergiftet. Nachdem man die Zusammenhänge erkannt hatte, wurde die Verwendung von Bleischrot zunächst in den Wasservogelgebieten verboten. 1991 erfolgte dann in den USA und 1997 auch in Kanada das vollständige verbot von Bleischrot.

Noch gefährlicher als Bleischrot, dass Greifvögel vorallem über zuvor angeschossene Wasservögel aufnehmen, sind für sie die Reste bleihaltiger Kugelmunition. Sie kann sowohl im Aufbruch als auch in angeschossenen und trotz nachsuche nicht gefundenen Rehe oder Wildschweinen enthalten sein. Aas fressende  Arten wie der Seeadler  sind davon betroffen. Im vergleich zum Schrot sind die relativen Oberflächen dieser winzigen Splitter deutlich grösser, ihr Vergiftungspotential ist somit entsprechend höher, da sich mehr Blei lösen kann.

Noch unverständlicher wird das festhalten an den Bleigeschossen angesichts der Tatsache , dass bereits seit mehreren Jahren alternativen positiv getestet und inzwischen auch angeboten werden. Beim Schrotschuss haben die Anbieter sich umgestellt und bieten entsprechende bleifreie Munition zu erschwinglichen Preisen an. Sie arbeiten mit Stahl, Wolfram und Wismut.

In Ländern wie Finnland, Dänemark oder den Niederlanden ist bleihaltige Munition schon seit Jahren verboten. Weshalb nimmt sich die Schweiz diese Länder nicht als Vorbild?

Das Internationale Council for Game and Wildlife Conservation propagiert seit längerem den bleifreien Schrotschuss und macht darauf aufmerksam, dass sich auf lange Sicht die Verwendung von Blei durch die Entwicklung moderner Alternativmaterialien vollständig vermeiden liesse.

Auf die Verwendung bleifreier Büchsengeschossen zu verzichten, dafür gibt es zur Zeit dagegen keinen ausreichenden Grund.

Fest steht, dass eine Umstellung auf bleifreie Muniton kommen muss. Und selbst wenn billigend in Kauf genommen werden sollte, dass Greifvögel weiterhin an Bleivergiftung sterben: Die Mehrzahl der Käufer von Wildbret wird nur noch bleifrei geschossenes Wild erwerben wollen.

Dieser Adler könnten noch leben, wenn sich der Gesetzgeber in der Schweiz endlich dazu durchringen könnte, bleihaltige Munition zu verbieten. Bleifreie Munition ist längst verfügbar. Raubvögel fressen gern Aas. Sie nehmen Bleischrote über angeschossene Vögel auf, Bleifragmente über Hirsche, Rehe oder Wildschweine, die von Jägern nur angeschossen und später nicht gefunden wurden oder deren Innereien (sog. Aufbruch) durch Jäger in die Natur entsorgt wurden. Die mit einem Bleikern versehenen Kugelgeschosse sollen beim Auftreffen auf den Tierkörper eigentlich nur "aufpilzen", zersplittern aber, wenn sie dabei auf Knochen treffen.

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Auszug von K- tipp

So gesund, wie Feinschmecker glauben, ist nicht jedes Stück Wild.

Letzen Endes werden Bleigeschosse in der gesammten Nahrungskette als Problem angesehen: Blei in Nahrungsmitteln, Trinkwasser oder Luft kann akute oder chronische Vergiftungen hervorrufen.  Die Geschosse der Jäger hinterlassen im Fleisch giftiges Blei. Das Metall ist schon in geringen Mengen besonders gefährlich, weil es sich im Körper anreichert. Es schädigt die inneren Organe sowie das zentrale Nervensystem und lagert sich in den Knochen ab.

Rehpfeffer: 8 von 20 Proben enthalten Blei

Bereits 1997 stiessen die Kantonschemiker bei 30 Prozent der untersuchten Rehpfeffer auf einen Bleigehalt von mehr als 2 Milligramm pro Kilogramm. Das Resultat sensibilisierte Jäger und Metzger - bereits ein Jahr später beanstandeten die Kantonschemiker nur noch 10 Prozent der Rehpfeffer wegen zu hohem Bleigehalt.

Doch der positive Effekt hat nicht lange angedauert: Schon 2001 fanden die Kantonschemiker wieder ähnlich hohe Werte. Deshalb hat Kassensturz in diesem Jahr bei Metzgereien und Grossverteilern Wild eingekauft und auf Bleirückstände hin untersuchen lassen. Von 20 Proben erwiesen sich 12 als unbelastet. 2 Proben enthielten Spuren von Blei. Bei 3 Proben fand das Labor zwischen 1,3 und 1,5 Milligramm Blei pro Kilogramm Fleisch.

Kantonschemiker beanstanden Wildfleisch aber erst ab 2 Milligramm pro Kilogramm Bleigehalt. In der Kassensturz-Stichprobe überschritten 3 Proben diesen Wert. Am meisten Blei enthielt der Rehpfeffer von Coop in Zug. Er enthielt 6,21 Milligramm. «Wir sind uns des Problems vom Blei im Wild bewusst», sagt Karl Weisskopf, Pressesprecher von Coop. «Unser Hauptlieferant verfügt über einen Metalldetektor, mit dem die Ware kontrolliert wird. Beziehen wir aber bei erhöhter Nachfrage Fleisch über andere Lieferanten, ist die Kontrolle nicht lückenlos.»

Den zweitletzten Platz belegt die Migros Thusis mit einem Hasenpfeffer. Das Labor fand darin 5,86 Milligramm Blei. Monika Weibel vom Migros Genossenschaftsbund: «Obwohl das Fleisch mehrmals geprüft wird, ist es nicht möglich, beim Wildfleisch eine 100-prozentige Garantie für die Einhaltung des Richtwertes zu geben.»

Otmar Deflorin, Kantonschemiker von Graubünden, untersucht seit Jahren Wildfleisch auf seinen Bleigehalt. «Zur Herstellung von Pfeffer nehmen die Metzger das billigere Fleisch vom Vorderviertel. Und dort geht der Schuss des Jägers durch.» Zur guten Herstellungspraxis gehöre, dass man den Schusskanal grosszügig wegschneide. «Lieber ein Kilo weniger Fleisch und dafür kein Blei im Wildgericht.»

Fragwürdig: Das BAG hat keinerlei Bedenken

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in Bern hat wegen des Bleis im Wildfleisch keine Bedenken. Mit einer Studie belegte es kürzlich, dass Menschen mit einem hohen Wildfleischkonsum keine erhöhten Bleiwerte im Blut aufweisen.

Experten halten die Messung im Blut für verfehlt. Blei baut sich im Blut schnell ab und sammelt sich anschliessend im Körper an. Und: Das BAG führte die Studie mit Jägern durch, die das Wild selber erlegen und zubereiten - und sicher mit grosser Sorgfalt darauf achten, den verbleiten Einschusskanal sauber zu entfernen.

Nach Schätzungen von Umweltverbänden werden durch die Jagd jährlich Tonnen von Blei in die Natur freigesetzt. 30 % der Blei-Emissionen in den Boden werden durch Munition verursacht (Verdonck et al., 2005 - Quelle: http://www.umweltdaten.de/wasser/themen/stoffhaushalt/blei.pdf, S. 15)

Blei ist ein Schwermetall und tötet Tiere nicht nur grausam, sondern es gelangt auch durch chemische Umwandlung in die Nährstoffkreisläufe der Natur und landet schließlich im Boden, Trinkwasser und Brotgetreide. Mehr als drei Millionen Tiere enden jährlich im Schrothagel der Jäger, darunter auch Hunderttausende von Wasservögeln. Aufgrund der großen Streuwirkung der Schrotkugeln werden Schätzungen zufolge bis zu 30 Prozent der Vögel nicht unmittelbar getötet, sondern krankgeschossen, was mit dem Staatsziel Tierschutz nicht vereinbar ist.

Blei kommt ubiquitär vor, vorwiegend in pflanzlichen Nahrungsmitteln und im Trinkwasser. Einzelne tierische Lebensmittel (Wildfleisch) können aber einen besonders hohen Gehalt an Blei aufweisen. Besonders der sich entwickelnde Organismus ist auf Blei empfindlich. Da Blei plazentagängig ist, kann es bei erhöhter Exposition zu Entwicklungsstörungen des Kindes kommen. Deshalb wurde der PTWI für Kinder auf 25 μg/kg KG festgelegt. [Blei gelangt über Projektile in Wildfleisch (Rehe, Hirsche, Hasen und Wildschweine) und Wildfleischerzeugnisse. Besonders beim Reh- und Hasenpfeffer wurden von kantonalen Laboratorien vergleichsweise hohe Bleigehalte nachgewiesen.] Ausserdem wird Schwangeren empfohlen, pro Woche höchstens 2 Portionen Wildfleisch zu essen.

Risikoabschätzung und Verbraucherschutz Wildbret

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