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11
Mär

Füchse und Krankheiten

am 11. März 2010. Veröffentlicht in Dossiers - Dossiers

RotfuchsBeutegreifer-oder vielleicht sollte man es in diesem Kontext bei dem althergebrachten Begriff des "Raubtier" belassen- sind böse. Wölfe fressen kleine Kinder, die ihrer kranken Großmutter Proviantkörbe bringen wollen, Marder machen sich vorsätzlich an der Schweizer liebstem Kind, dem Auto, zu schaffen, und Füchse sind lustmordende Hühnerdiebe, die zu allem Überfluss auch noch tödliche Krankheiten übertragen und die armen Feldhasen ausrotten. So- oder ähnlich - äussern sich leider selbst in unserer vermeintlich aufgeklärten Gesellschaft des frühen 21. Jahrhundert noch viele Mitmenschen, wenn das Gespräch auf wild lebende Prädatoren kommt.

Krankheiten können am besten vermieden werden, wenn man die Wildtiere nicht jagt, denn in diesem fall finden keine Kontakte zwischen Menschen und Wildtieren statt.

Die Aussage von Jägern, dass der Fuchs bejagt werden muss , (was mit Jagd nichts mehr zu tun hat, wenn man ihn aus einem Hinterhalt mit Ködern angelockt und feige abknallt), ist längst widerlegt. Das solche Praktiken dazu noch geschützte Arten wie der Luchs gefährden, kommt dazu, wenn der Jäger nicht einmal einen Luchs von einem Fuchs unterscheiden kann, wie zuletzt am 7.1.2010 in Andermatt.

In nahezu allen Fällen, in denen reale oder vermeintlich ökologische, epidemiologische oder ökonomische Probleme durch die massive jagdliche Verfolgung und Tötung von Füchsen begegnet werden soll, wird stillschweigend von der Gültigkeit der simplen Gleichung:

Mehr Jagd = weniger Füchse ausgegangen.

Diese Annahme ist zum zentralen Element jedwelcher jägerischer Rechtfertigung der Jagd auf Füchse und viele andere Wildtiere geworden

Dieser einfache und leicht zu verstehende Zusammenhang mag auf den ersten Blick durchaus logisch und einprägsam erscheinen, wenn z.B. Füchse Hauptüberträger der Tollwut sind und somit versucht wird, durch intensive Fuchspassjagd die Anzahl der Füchse zu reduzieren, um dadurch die Tollwut einzudämmen

Seit geraumer Zeit kann jedoch als gesichert gelten, dass gerade diese fundamentale These schlichtweg falsch ist. Sie widerspricht nicht nur den jüngeren Erkenntnissen systematischer Fuchsforschung, sondern steht ganz offensichtlich im Widerspruch zu nahezu allen Erfahrungen, die Menschen in den letzten Jahrzehnten mit der Dynamik von Fuchspopulation en gesammmelt haben.

Selbst die extrem brutale und schweizweit durchgeführte Vergasung von Fuchsbauten zur Tollwutbekämpfu ng in den 1960er Jahren konnte weder den Fuchsbestand regulieren, noch die Tollwut wirkungsvoll eindämmen. Erst das schonende Impfverfahren von Füchsen mit präparierten Hühnerköpfen war zum Nutzen von Mensch und Tier später erfolgreich.

Je mehr Füchse jedes Jahr (über 35'000 in der Schweiz) durch die Passjagd erschossen werden, desto mehr werden geboren und desto mehr Jungfüchse gibt es, die sich im Herbst ein eigenes Revier suchen müssen.

Moderner Erkenntnisstand in Ökologie und Wildbiologie zeigt auf, dass sich die Bestandesdichte von Wildtieren dynamisch aufgrund von Nahrungsangebot, Territorialität, Klima, Krankheiten, Ressourcen sowie sozialen und physiologischen Faktoren usw. ohne menschliches Zutun regelt, wenn sie nicht zerschossen wird.  Der Jagddruck sowie andere Faktoren hingegen erhöht die Reproduktionsraten der betroffenen Tierpopulationen, was man nicht nur bei den Wildschweinen, Rehen, Hirschen, Tauben sondern bei jeder Spezies (Arterhaltung, Überlebungsinstinkt, Geburtenausgleich usw.) beobachten kann. Die Natur ist weise und wenn sich eine Spezies in Gefahr sieht, dann steigt die Geburtenrate. Diesbezügliche wissenschaftliche Studien gibt es z.B. in Frankreich und Deutschland. Mit den Jägern herrscht ein Ungleichgewicht in der Tierwelt,  Chaos und schändliche Manipulationen in unserer Natur.

Gerade diese Jungfüchse sind es, die auf ihren langen herbstlichen Wanderungen zur Verbreitung von Krankheiten beitragen. Sie begegnen weit mehr Artgenossen als territoriale, also sesshafte Füchse und laufen Gefahr, sich bei Revierkämpfen mit der Tollwut oder anderen Wildtierkrankhe iten zu infizieren oder diese weiterzugeben.

Fuchspassjagd trägt also eher zur Ausbreitung der Tollwut bei, als zu ihrer Eindämmung.

Dass die grossflächige Reduktion von Füchsen mit jagdlichen Mitteln unmöglich ist, wurde vielfach zweifelsfrei belegt (schweizerische Tollwutzentrale ).

Aktuelle Studien weisen massiv darauf hin, dass ähnliche Mechanismen beim Fuchsbandwurm greifen. Auch hier begünstigt der wachsende Anteil abwandernder Jungtiere als Folge intensiver Fuchspassjagd die Ausbreitung des Bandwurms.

Führende Forscher wie etwa der Schweizer Daniel Hegglin empfehlen daher das Auslegen von Entwurmungsköde rn für Füchse mit einem möglichst geringen Jagddruck zu kombinieren, um die Effizienz der Fuchsbandwurmbe kämpfung zu maximieren.

Nicht zu vergessen ist, dass Füchse auch positive Eigenschaften haben und zur Gesundheitspoli zei unseres Waldes gehört. Sie tragen durch das Fressen von Ass und Fallwild zur Nichtausbreitun g von Seuchen usw. bei.

Wir sehen nicht die geringste Rechtfertigung für die Passjagd, ausser die Lust am feigen Töten der Jäger eines chancenlosem Mitgeschöpf.

Solche Jagden zerstört das normale soziale Zusammenleben der Wildtiere, ökologische Gleichgewicht, ihre natürlichen Verhaltensweise n, Familienstruktu ren und Sozialverbände, Benutzung von Bauen und Verstecken, Wechsel von Tag zur Nachtaktivität, verstärkte Abwanderung in nicht bejagte Siedlungsgebiet e, unnatürliche Tierkonzentrati onen usw.

Wir sollten uns bei der Jagd auch vermehrt vor Augen halten, dass neben der Erhaltung einer intakten Natur, das Leiden und Tod fühlender Lebewesen berücksichtigt wird.

Es wird deut­lich gesagt, dass Jagen wohl zu den Urinstink­ten des frü­hen Stein­zeit­men­schen gehört. Das bedeu­tet aber nicht, dass ein moder­ner Mensch so wei­ter­ma­chen soll, wie der Steinzeitmensch.


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