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18
Aug

Schadet die Jagd dem Tourismus?

Geschrieben von: Redaktion am 18. August 2010. Veröffentlicht in Medien - Medienmitteilungen

AuerhuhnDer Verein Wildtierschutz Schweiz nimmt dazu wie folgt Stellung:

Davos, 19. August 2010

In wenigen Tagen geht es wieder los. Hobbyjäger bewaffnen sich und stören kreuz und quer durch die Schweiz die Tourismusgebiete  mit ihrem blutigen Hobby. Es wird über Wanderwege hinweggeschossen, geschockte Touristen und Kinder begegnen schwerbewaffneten Hobbyjägern oftmals sogar alkoholisiert und mit blutenden Kadavern auf dem Rücken. Jagd ist Tierquälerei und Unsittlichkeit!

Statt zu zeigen wie die Wildtiere leben, zeigen Jäger wie sie diese töten. Lieber möchten sie alle Wanderer, Freizeitsportler und Pilzler weg haben, damit sie noch ungestörter ihr El Dorado ausleben können.

Dabei wollen die Touristen lebende und nicht tote Tiere sehen. Zivilisierte Natur erleben und keine sich alljährliche wiederholenden Kriegsschauplätze.  Sie wollen in der frischen Bergluft Ruhe und Erholung finden und nicht Büchsenlärm und Tierquälereien. Auch Alt-Bundesrat Pascale Couchepin wünscht sich auf Bergwanderungen im Wallis lebende Wölfe zu sehen, eine intakte und authentische Natur eben.

Militante bewaffnete Hobbyjäger sind ein nicht zumutbares Sicherheitsrisiko für Mensch, Tier und Natur.

Jäger verursachen viel mehr Schäden als die Tiere selber, denen sie hinterher rennen. Was für eine Plage die Lustmörder für die Natur, Umwelt, Menschheit, Tierwelt sind, kann man anhand diversen Rechner und Studien, beim Bund, Versicherungen, SUVA (rund 300 Jagdunfälle pro Jahr in der Schweiz) Gesundheitsämtern, WWF, Greenpeace usw. selber anschauen. Keine Tiergruppe wird so miserable Werte haben, wie die Jäger. Keine Tiergruppe hat einen so schlechten ökologischen Fussabdruck wie die Jäger.

Die Jägerschaft  verursacht Personen-, Umwelt-, Sachschäden, Artenschäden usw, die weit über den durchschnittlichen 2%  der Verbissschäden durch das Wild an Pflanzen bzw. des Holzertrages liegen. Es gibt Studien die zeigen, dass 90% der Gewaltverbrecher als Tierquäler angefangen haben. Auch die Jagdwaffen führen zu Missbrauch in unser allem Sozialleben. Immer wieder kommt es zu Schusswaffensuiziden, Drohungen und tödlichen Tragödien. In der Schweiz werden solchen Freizeitkillern immer noch rund 0.58 Millionen Jagd- und Sportwaffen im eigenen Haushalt anvertraut.

Eine Abschaffung der Hobbyjagd hätte keine negativen Auswirkungen auf den Naturhaushalt, die Artenvielfalt, das Seuchengeschehen oder die Finanzhaushalte. Vielmehr würde der unglaublichen Tierquälerei durch die Hobbyjägerei ein Riegel vorgeschoben werden. Die Artenvielfalt würde sich gemäss renommierten Wissenschaftlern  und anhand von Fallbeispielen, ohne die Jagd wesentlich besser entwickeln, wenn sie nur könnte.  Zahlreiche wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen, dass der Verbiss durch Rehe und Hirsche sogar nützlich ist, weil es eine Zunahme der Biodiversität (hier die Artenvielfalt der Pflanzen) verursacht. Der Seuchengefahr kann durch Impfungen wirksamer entgegengewirkt werden und selbst die Staatsfinanzen könnten durch ein effektiveres Reh- und Rotwildmanagement gestärkt werden (Reduzierung von Waldschäden). Gefordert ist hier politischer Wille und Mut, in das jagdliche Brauchtum signifikant einzugreifen und Gesetze auf den Weg zu bringen, welches den veränderten Bedingungen des 21. Jahrhunderts, den wissenschaftlichen Erkenntnissen, dem modernen Tier- und Artenschutz und der Mehrheit der Bevölkerung gerecht wird.

Die heutige Jagd zerstört das normale soziale Zusammenleben der Wildtiere und das ökologische Gleichgewicht. Familienstrukturen und Sozialverbände, natürliche Verhaltensweisen wie Benutzung von Bauen und Verstecken, Wechsel von Tag– zur Nacht­aktivität werden gestört und es kommt zu verstärkter Abwanderung in nicht bejagte Siedlungsgebiete, unnatürliche Tierkonzentrationen in den Wäldern usw.

Die zusätzliche Belastung durch die unzähligen Tonnen Blei welche die Jäger in der Natur zurücklassen beim Schiessen, ist reiner Ökoterror. Blei ist ein giftiges Schwermetall.  Es wirkt sich beim Menschen höchst negativ auf den Blutkreislauf aus und kann akute oder chronische Vergiftungen hervorrufen,  auch nach dem Konsum von Wildbret. Doch Bleimunition ist nicht nur für Menschen schädlich, es ist auch eine besonders grausame Form der Jagd. Verletzte Tiere leiden nebst ihren Wunden an einer langsamen Vergiftung durch die Bleimunition.

Die Jagd steht in der Kritik. Sie ist ethisch fragwürdig und nach Ansicht von Forschern auch ökologisch kontraproduktiv. Tierbestände regeln sich selbst.

Der Kanton Genf z.B, kennt seit über 30 Jahren ein Jagdverbot für die Pseudojäger. Genf hat eine sogenannte Wildpolizei, welche bei Problemen ausrückt.  In den Jahren 1998 - 2008 brauchte es keinen einzigen Reh- oder Hirschabschuss.  Fakt ist, dass es in keinem Kanton in so kurzer Zeit zu einer derart starken Biodiversität kam wie im Kanton Genf. Auch in Belgien und Holland wurden die unsinnigen Jagden der Freizeitkiller faktisch abgeschafft. Moderne wildbiologische Erkenntnisse haben sich durchgesetzt. 

Moderner Erkenntnisstand in Ökologie und Wildbiologie zeigt auf, dass sich die Bestandesdichte von Wildtieren aufgrund von Nahrungsangebot, Territorialität, Klima sowie sozialen und physiologischen Faktoren ohne menschliches Zutun besser regelt. Der Jagddruck sowie andere Faktoren hingegen erhöht die Reproduktionsraten der betroffenen Tierpopulationen, was man sehr gut bei den Wildschweinen, Tauben ja bei allen Spezien beobachten kann (Arterhaltung, Überlebensinstinkt, Geburtenausgleich). Die Natur ist weise und wenn sich eine Spezies in Gefahr sieht, dann steigt die Geburtenrate.

Der Verein Wildtierschutz Schweiz ist dagegen, dass man Konflikte mit den Wildtieren, wenn es sie denn auch tatsächlich geben sollte, nur mit dem primitivsten Instrument der Waffen, sprich Gewalt, löst. Er fordert mehr geschützte, jagdfreie und natürliche Lebensräume für die Wildtiere, Toleranz und Hilfestellungen.

Die heute mehrheitlich aus Spass gejagten Tiere, sind dem Menschen gegenüber friedliche Lebewesen, welche mindestens genauso eine Daseinsberechtigung haben wie der Mensch, um sich an unserer gemeinsamen Evolution zu beteiligen und sie sind auch von der Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer gerne gesehene Tiere auf Spaziergängen und Wanderungen in Wald und Flur.

Der Wald und die Natur sollte den Menschen und Tieren als friedlicher Erholungsraum und Lebensraums des Zusammenlebens zurückgegeben werden. Unsere Zeit wird zunehmend von Brutalität und Gewalttätigkeiten geprägt und daran ist die Jägerschaft nicht unbeteiligt. Diese negativen Energien von Gewalt, Angst, Terror, Respektlosigkeit und Unbehagen welche die Jägerschaft in der Natur hinterlässt, verbreitet sich über das ganze Land.

Verein Wildtierschutz Schweiz

Postfach 63
7270 Davos 2 Horlauben
Schweiz

Sekretariat Tel: +41 (0) 81 422 21 11

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