Die Jagd früher und heute
Die Jagd war früher in den kalten nördlichen Bereichen für die Naturvölker eine Notwendigkeit zum Überleben. In wärmeren Regionen spielte sie hingegen eine unbedeutendere Rolle, denn dort deckte man überwiegend mit dem Sammeln von Wildfrüchten den erforderlichen Nahrungsbedarf. Allein schon die leichte Verderblichkeit des Fleisches machte dieses in den gemäßigten und wärmeren Zonen als Nahrungsvorrat nicht besonders geeignet. Zudem war das Sammeln der Wildfrüchte und Wurzeln dort viel einfacher als die Ausübung der Jagd. Schon deshalb diente die Jagd in diesen Gebieten mehr einer Abwechslung der Nahrungsvielfalt.
Die Jagd erforderte von den Menschen früher nicht nur gute Kenntnisse über die Lebensgewohnheiten bestimmter Tierarten und eine scharfe Beobachtungsgabe, sondern oft auch sehr viel körperliche Kondition, Kraft und Geschicklichkeit, aber auch eine gehörige Portion Mut bei der Bejagung größerer Tiere.
Obwohl diese Menschen auch grausam waren, achteten und verehrten sie die Tiere. Alte Felszeichnungen zeugen heute noch davon. Das Töten von Tieren aus purer Lust war bei ihnen nicht üblich. Für sie war die Jagd eine Notwendigkeit, die ohne krankhafte Gier und ohne Sinn für Trophäen nur zum Zweck der Ernährung ausgeübt wurde.
Raubbau betrieben einige Jäger der Naturvölker erst nach dem Beginn der Handelsbeziehungen mit unseren Vorfahren.
Zu der Zeit war man bei uns schon längst von der unsicheren und oft entbehrungsreichen Lebensform des Sammelns und Jagens abgekommen. Mit Ackerbau und Viehzucht hatte man hier die einfacheren Möglichkeiten der Nahrungsbeschaffung entdeckt. Mit dieser Umstellung veränderte sich aber auch die innere Einstellung der Menschen gegenüber den Wildtieren ganz entscheidend.
Die ehemals überlebenswichtigen Wildtierbestände waren damit für die Ernährung dieser Hirten und Bauern nicht nur unwichtig, sondern schädlich geworden. Mit ihren Schädigungen an Feldkulturen und Herdentieren sorgten sie nur noch für Verärgerung. Somit war die zuvor gegenüber den Wildtieren noch vorhandene Wertschätzung in Feindseligkeit umgeschlagen. Dementsprechend hatte sich damit aber auch die Motivation zur Jagdausübung grundlegend verändert. Man jagte seit dieser Zeit nicht mehr mit Achtung vor dem Geschöpf, das einem mit seinem Fleisch ernährt, sondern mit Verachtung und Hass - oftmals das Ziel der Ausrottung vor Augen! Bei vielen Tierarten ist dies auch gelungen.
Von diesen jägerischen Erfolgen waren die Raubtiere besonders betroffen, da sie durch das Reißen von Herdentieren und auch durch das angebliche Anfallen von Menschen den Hass auf sich gezogen hatten.
Im Mittelalter war dann aus dieser Verachtung der Wildtiere eine Jagdform entstanden, die nur noch dem Vergnügen und geselligen Zeitvertreib der Adeligen diente. Diese glorifizierten in unserer Region besonders die Jagd auf den Hirsch. Auf ihn, aber auch auf andere größere Tiere, veranstaltete man fröhliche Hetzjagden, hoch zu Ross und von Hundemeuten unterstützt.
In England waren derartige Hetzjagden auf den Fuchs sogar noch bis 1998 erlaubt.
Um dabei ein Ausrotten der Wildtiere zu verhindern hatte man den Jägern auch die moralische Verpflichtung zur Hege auferlegt.
Um einem Missbrauch der Wildhege zugunsten einer erhöhten Spaßjagd vorzubeugen, bestand die Möglichkeit den jeweiligen Jagdpächter zur finanziellen Vergütung von Wildschäden zu verpflichten. Eine Entschädigung der Landwirte seitens der Jagdpächter oder der Jagdgenossenschaft ist, auch wegen der in diesem Bereich sehr auffälligen Schäden, bereits seit langer Zeit üblich. Wesentlich weniger wurde dagegen die Jagdkasse durch die Forstwirtschaft belastet, das auch schon wegen der schlechter erkennbaren und zu früheren Zeiten auch kaum beklagten forstwirtschaftlichen Schäden.
Diese Umstände begünstigten eine immer mehr ausufernde und die Forstwirtschaft, aber auch die Natur und Tierwelt belastende Hegepraxis. Und die wurde, scheinbar nicht ohne irreführende Absichten, bereits recht früh der Bevölkerung gegenüber als etwas sehr positives dargestellt.
Noch heute kann man in alten Heimatfilmen sehen, wie man die Jäger als verantwortungsvolle Förster im grünen Lodenmantel darstellte, die mit dem Füttern der Tiere eine ehrenvolle Tätigkeit in der Natur verrichteten. In diesen Filmen werden auch immer wieder Jäger zu Helden, indem sie in spannendem Schusswechsel den einen oder anderen bösen Menschen erschießen und das nur, um ihre wehrlosen Tiere vor diesen Wilddieben zu beschützen und einem zu Tränen gerührten Zuschauerkreis ihre Tierliebe zu bezeugen.
Dieser Filmkitsch lenkte nicht nur von der Schädlichkeit der Wildfütterungen ab, sondern prägt auch noch heute das Ansehen der Jägerei in positiver Weise. Und mit derart verträumten Bildern aus ihrer Kindheit vor Augen hängen nicht nur Privatpersonen, sondern auch noch so manche Förster voller Leidenschaft an der Jagd.
In der Vergangenheit basierte das Töten von Wildtieren, mit Ausnahme der mittelalterlichen Vergnügungsjagden, immer auf irgendwelchen Notwendigkeiten. Die damit befassten Personen töteten somit zweckorientiert, z.B. um sich zu ernähren.
Ganz anders verhält sich das in unserer Zeit.
Durch das Jagdgesetz begünstigt, wird bei uns inzwischen auf fast allen kommunalen und privaten Naturflächen die Jagd überwiegend von Privatpersonen ausgeübt, welche diese als Hobby betreiben.
Diese Menschen müssen nicht töten, auch nicht wegen ihrer Berufswahl, so wie das bei den Förstern und Feldschützen der Fall war, sondern diese Menschen wollen mit Lustgewinn jagen und töten! Und sie sind nicht nur bereit, dafür viel Zeit zu investieren, sondern auch noch viel Geld zu bezahlen, nur damit sie ein solch blutiges und tierquälerisches Geschäft in ihrer Freizeit ganz legal als Hobby betreiben dürfen.
Dem Schutz der Land- und Forstwirtschaft dient das alles schon lange nicht mehr so, wie es sein sollte. Anstatt die Wildbestände in Grenzen zu halten, bemüht man sich in erster Linie nur darum, möglichst viel Wild heran zu hegen, um folglich noch mehr Tiere bejagen zu können. Wegen einer somit zunehmenden Scheu und einem dadurch bedingten Rückzug der Wildtiere in die etwas besser schützenden Wälder, wurde die Forstwirtschaft aber immer mehr und mehr in Mitleidenschaft gezogen.
Zum einen gilt somit weiterhin die Pflicht der Jäger, Wildschäden zu verhindern und daher die Bestandsdichte einiger Wildtierarten zu begrenzen und andererseits ist es nun auch jägerische Pflicht diese Tierarten zu hegen und damit in ihrer Vermehrung zu begünstigen.
Offensichtlich bezweckt dieser gesetzliche Unsinn nichts anderes, als nur noch die Anstiftung zu sinnlosem Tiermord und dessen rechtliche Absicherung. Ansonsten hätte man Hege und Jagdausübung nicht innerhalb einer Jagdperiode zeitgleich auf ein und dieselbe Tierarten zulassen oder wie geschehen, auch noch gesetzlich vorschreiben dürfen.
Sinnvoll wäre es, wenn je nach vorliegender Notwendigkeit, entweder nur die Jagd oder nur die Hege erlaubt wäre.
Aber das Jagdgesetz wurde in erster Linie zur Begünstigung der Lustjagd geschaffen und genau den Zweck erfüllt dieses Gesetz, mit einer Menge solcherart unvernünftiger und unzeitgemäßer Regelungen, heute noch mehr als früher.
Und trotzdem ist die für eine ordnungsgemäße Land- und Forstwirtschaft erforderliche Vermeidung von Wildschäden weiterhin eine wichtige Bestimmung dieses Gesetzes geblieben. Aber die Jäger haben immer umfangreicher gegen diese Vorschrift verstoßen, bis die Forstwirtschaft in eine ernsthafte Existenzkrise rutschte.
Die schwerwiegenden Gesetzesverstöße wurden amtlicherseits einfach stillschweigend geduldet und lange Zeit sogar verheimlicht, nur damit diese schädliche Jagdpraxis der Öffentlichkeit auch noch als wichtiger Beitrag für den Natur- und Artenschutz und als eine unverzichtbare Hilfe für unsere Forstwirtschaft dargestellt werden konnte.
Noch immer wird uns von irgendwelchen selbst jagenden Beamten und Politikern in vorgetäuschter Sachlichkeit versichert, daß die Hobby-Jagd für Wildtiere, für den Artenschutz, für die Natur und letztlich auch für uns Steuerzahler beachtliche Vorteile bringen würde. Tatsächlich aber beschert sie nicht mehr länger zu duldende, sehr hohe ökologische und finanzielle Schäden.
Jene anfangs clever wirkende Umorganisierung der Jagd ist längst für die Grundstücksbesitzer und damit aber auch für viele waldreiche Gemeindeverwaltungen und ihre Bürger wie ein Schuss nach hinten losgegangen.
Aber auch für die Hobby-Jäger ist die Jagd aus wirtschaftlicher Sicht kein lohnendes Geschäft. Mit dem Verkauf von Wildbret gelingt es ihnen nicht einmal ihre eigenen Kosten abzudecken. In der Regel erwirtschaften sie mit dem Fleischverkauf nur etwa ein Drittel ihres finanziellen Aufwandes zurück. Damit zahlen auch sie bei diesem Hobby sehr viel drauf.
Daher ist die Jagd heute in jeder Hinsicht von einer ehemals zweckorientierten Ausrichtung sehr weit abgetriftet und zu einem puren Spaß-Morden an Tieren verkommen. Dieses Treiben ist aber für eine moderne und friedliche Gesellschaft, wie die unsrige, als solches nicht mehr länger hinnehmbar.
Dessen ist sich auch die Jägerschaft bewusst. Man ist deshalb zur Zeit sehr darum bemüht, mit allen erdenklichen Scheinargumenten eine Notwendigkeit dieser Jagd der Bevölkerung vorzutäuschen, nur um das sinnlose Morden irgendwie zu rechtfertigen.
Die heutige Jagdkultur ist nichts anderes, als die Fortsetzung eines mittelalterlichen Lustmordens an Tieren, nur unter Anwendung modernster Mittel!




