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Apr

Waldschäden durch Wildtiere

Geschrieben von: Redaktion am 14. April 2010. Veröffentlicht in News - Schweiz

waldWenn die Jäger ihr blutiges Hobby in der Öffentlichkeit rechtfertigen möchten, malen sie Schreckensszenarien von Waldschäden durch »Wildverbiss«. Seltsamerweise tauchen Rehe und Hirsche im Waldschadenbericht so gut wie gar nicht auf - als Ursache für Waldschäden werden statt dessen die Luftverschmutzung und saure Böden durch die hohen Nitratwerte, verursacht von der industriellen Landwirtschaft und Massentierhaltung (Ammoniak-Emissionen) in den Medien genannt.

Rehe und Hirsche sind normalerweise tagesaktive Tiere und werden in erster Linie durch die Jäger in den teilweise schützenden Wald getrieben, weil sie jahrein jahraus um ihr Leben fürchten müssen.

Würden Bund und Kantone den Wildtieren mehr, vor den Jägern geschützten, Lebens- und Weideraum zur Verfügung stellen, könnte das Problem des Wildverbisses noch mehr sinnvoll minimiert werden, ohne Gewalt anwenden zu müssen.

Leider ist es heute so, dass man in der Natur wie Wald und Berge kaum noch Wildtiere zu sehen bekommt und wenn, diese sich fluchtartig entfernen. Die Natur ist leer geschossen, Tierarten sind verschwunden.

Natürlich macht der Mensch ein vielfaches mehr Schäden in Wald und Flur als die beschuldigten Wildtiere, die in der  freien Natur ihre Daseinsberechtigung haben. Allein die Jäger ver­ur­sa­chen enorme Per­so­nenschäden, Umweltschäden, Wildunfälle, Sach­schä­den, Arten­schä­den, Soziale Gewalt usw., die man gar nicht mehr beziffern kann.

Der ökologische Fussabdruck der Wildtiere ist auf jeden Fall umweltfreundlicher, als z. B. jener der Jäger und Förster. Was für eine Belastund die Jäger für die Natur, Umwelt, Menschheit, Tierwelt, usw. sind, kann man anhand diversen Rechner und Studien, beim Bund, Versicherungen, SUVA (rund 300 Jagdunfälle pro Jahr in der Schweiz) Gesundheitsämter, WWF, Greenpeace usw. selber anschauen. Kein Wildtier wird so miserable Werte haben, wie die Jäger, Förster, Wildbiologen usw.

Wie das Standardwerk "Vom Widersinn der Jagd" des Zoologen Carlo Consiglio von der Universität Rom nachweist, sind Verbissschäden in den meisten Fällen minimal und betreffen meist deutlich weniger als 2% an Pflanzen bzw. des Holzertrages. Außerdem können Schonungen und Jungwaldanpflanzungen z. B. durch Schutzzäune oder Netze vor Verbiss geschützt werden.

Der Wald, die Natur sollte den Men­schen und Tie­ren  als fried­li­chen Erho­lungs­- und Lebens­raums des Zusam­men­le­bens zurück­ge­ge­ben wer­den. Unsere Zeit wird zuneh­mend von Bru­ta­li­tät und Gewalt­tä­tig­kei­ten geprägt und daran ist die Jäger­schaft nicht unbe­tei­ligt.  Diese nega­ti­ven Ener­gien von Gewehrgewalt, Angst, Ter­ror, Respekt­lo­sig­keit und Unbe­ha­gen wel­che die Jäger­schaft in der Natur hin­ter­lässt, ver­brei­tet sich über das ganze Land.

Dr. Hans Hertel von »Natural Science« weist zum Thema Wildverbiss auf zwei interessante Studien der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, Birmensdorf hin, die beide im Nationalpark Schweiz durchgeführt wurden.

Das Ergebnis: Hirsche tragen zur Verjüngung des Waldes und zur Artenvielfalt bei.  Auf Wildwechseln wachsen nämlich um ein Vielfaches mehr Baum-Keimlinge.

Studie 1: Artenvielfalt nimmt zu

»Die erste Studie betrifft `Huftiere und Vegetation im Schweizerischen Nationalpark von 1917 bis 1997 bzw. Einfluss des Wildes auf die botanische Vielfalt der subalpinen Weiden.´ Sie kommt zu folgendem Ergebnis:

Obwohl seit Anfang des Jahrhunderts eine starke Zunahme der Hirschpopulation festzustellen ist, würde heute die Futtermenge im Nationalpark theoretisch sogar für das Fünf- bis Zehnfache des heutigen Wildbestands ausreichen. Auf durch das Wild intensiv genutzten Dauerkurzweiden haben die Pflanzenarten in den beobachteten 50 bis 80 Jahren stark zugenommen. Dagegen hat auf Weiden, die extensiv beäst wurden, die Artenvielfalt abgenommen. Trotz steigender Rothirschdichte durch das Jagdverbot wuchs die frühere, einzig von Hirschen und Murmeltieren geschaffene Schadensfläche zwischen 1955 und 1975 wieder vollständig zu.«

Studie 2: Dreißigmal mehr Baumkeimlinge auf Wildwechseln

»Die zweite Studie über die `Bedeutung von Huftieren für den Lebensraum des Nationalparks bzw. zum Nahrungsangebot und zur Waldverjüngung´ zeigt, dass trotz angewachsener Hirschpopulation die Anzahl der Bäume pro 100m² und der dem Verbiss entwachsenen über 150 cm hohen Bäume stark zugenommen hat. Auf den aktuell benutzten Wildwechseln wurden pro Quadratmeter ca. achtmal mehr Keimlinge gefunden als auf verlassenen Wechseln, und rund dreißigmal mehr als außerhalb von Wildwechseln. Die Verjüngung und die Ausbreitung des Waldes scheinen also durch die heutige Hirschdichte eher gefördert als behindert zu werden. Dies bestätigen auch Vergleiche mit alten Luftbildern und Langzeituntersuchungen auf Dauerbeobachtungsflächen. Diese zeigen, dass der Wald trotz der relativ hohen Hirschdichte während der letzten Jahrzehnte an verschiedenen Stellen sogar erfolgreich auf die ehemaligen Weiden hinaus vorgedrungen ist.«

(Quelle: Dr. Hans Hertel, Über Sinn und Unsinn des Jagens. In: The Journal of Natural Science 5/2000)

 
Mensch und Tier sind gleichwertig, beide haben das Recht auf Leben und das Recht auf Respekt. Je hilfloser ein Lebewesen, ob Mensch oder Tier, je grösser ist sein Recht auf Unterstützung und Schutz. Menschen haben die Verantwortung, mit Lebewesen würdevoll umzugehen.