• Jagd Kritik
  • Jagd Kritik
  • Jagd Kritik
  • Jagd Kritik
28
Sep

Leserbrief zum Thema "Jagdsaison in Graubünden wegen Tierquälerei abgesagt"

Geschrieben von: Wildtierschutz am 28. September 2011. Veröffentlicht in Medien - Medienecho / Leserbriefe

leserbrief-markus-fluetsch

Sind Pseudo-Jäger obligatorisch?

Sehr geehrter Herr Markus Flütsch in St.Antönien

Moderner Erkenntnisstand in Ökologie und Wildbiologie zeigt auf, dass sich die Bestandesdichte von Wildtieren dynamisch aufgrund von Nahrungsangebot, Territorialität, Klima, Krankheiten, Ressourcen sowie sozialen und physiologischen Faktoren usw. ohne menschliches Zutun regelt, wenn sie nicht zerschossen wird.

Der Jagddruck, falsche Jagdausübung sowie andere Faktoren hingegen erhöht die Reproduktionsraten der betroffenen Tierpopulationen, was man nicht nur bei den Wildschweinen, Füchse, Rehen, Hirschen, Tauben sondern bei jeder Spezies (Arterhaltung, Überlebungsinstinkt, Geburtenausgleich usw.) beobachten kann.

Die Natur ist weise und wenn sich eine Spezies in Gefahr sieht, dann steigt die Geburtenrate. Diesbezügliche wissenschaftliche Studien gibt es z.B. in Frankreich und Deutschland. Mit den Pseudojägern und Pseudofischern herrscht ein Ungleichgewicht in der Tierwelt, Chaos und schändliche Manipulationen in unserer Natur. Auch viele Fischarten haben durch den jahrzehntelangen Fischbesatz an Vitalität verloren und sind heute vom Aussterben bedroht.

Auch Jagd Schweiz schreibt im Sommer 2011: "JagdSchweiz weiss, dass sich Wildtierbestände grundsätzlich - auch in unserer Kulturlandschaft - von selber regulieren würden."

Die heutige Jagd zerstört das normale soziale Zusammenleben der Wildtiere, das ökologische Gleichgewicht, ihre natürlichen Verhaltensweisen, Familienstrukturen und Sozialverbände, Benutzung von Bauten und Verstecken, Wechsel von Tag– zur Nacht­aktivität, verstärkte Abwanderung in nicht bejagte Siedlungsgebiete, unnatürliche Tierkonzentrationen in den Wäldern usw.

Nationalpärke, Holland, weite Teile von Belgien, jagdfreie Inseln und viele Gebiete mit einem Jagdverbot zeigen, dass sich die Natur und die Wildtiere aufgrund von verschiedenen Faktoren selber viel besser regeln, als mit Pseudo-Jäger.

In keinem Kanton in der Schweiz kam es zum Beispiel in so kurzer Zeit zu einer derart starken Biodiversität, wie im Kanton Genf und dort gibt es seit über 35 Jahren ein Jagdverbot. Weshalb gibt es überall dort, wo die Pseudo-Jäger nicht erwünscht sind, das Problem mit der extremen Überpopulation nicht?

Weshalb gehen sie nicht mit ihren Waffen nach Afrika, Asien usw. - dort sterben auch viele Lebewesen am Hungertod oder an Krankheiten?
Weil es sich nicht gehört. Normale Menschen regeln Probleme eben nicht regelmässig mit Waffengewalt und Mord. Sie würden auch keine Menschen niedermetzeln, nur weil sie hungrig, krank oder alt sind - oder etwa doch?

Weshalb haben Jäger immer das Gefühl, mit Unwahrheiten die Bevölkerung und Natur zu manipulieren, sich überall einmischen zu müssen?

Wird nicht duch die Jagd das Wild überhaupt erst in die Wälder getrieben?
Die Jagd macht die Wildtiere Scheu. Rehe und Hirsche z.b. sind normalerweise tagesaktive Tiere, welche man zutraulich in den unbejagten Gebieten auf den Wie­sen sieht, genauso wie andere Weidetiere, Schafe, Ziegen und Kühe.
Nur wegen dem Jagddruck kommen Rehe und Hirsche oftmals erst mit den jungen Bäumen, an denen sie Schäl und Verbissschäden anrichten, in Kontakt. Doch je mehr Schäden entstehen, desto intensiver werden die Rufe nach schärferer Bejagung. Das Zusammenspiel von Jagd und Hege erzeugt damit einen
Teufelskreis.

Sterilisation ist z.B. eine effektive und nachhaltige Lösung bei einer tatsächlichen Überpopulation. Fangen, sterilisieren und wieder aussiedeln oder mit einer Impfung zur Geburtskontrolle, kontrolliert sinnvoll die
verschiedenen Herdengrössen. Diesbezügliche Erfolge kann man in Ländern z.B. mit der Strassenhundenproblematik beobachten. Auch in der Schweiz wird dieses Problem so gelöst.
Heute noch werden in der Schweiz 10'000 streunende Katzen pro Jahr von Tierschützern kastriert, was die einzige tiergerechte Lösung ist! In Amerika werden durch eine Impfung zur Geburtenkontrolle in bestimmten Gebieten die Reh- und Hirschbestände geregelt. Gleiches geschieht heute in jedem Tierpark und Zoo! Die unnatürlichen Bestände von Lebewesen jährlich aus Freude an der Jagd zurecht zu schiessen, ist Pervers und Brutal. Ein grausames Spiel! Gottesfürchtige Menschen sollten nicht blutige Instinkte aus dem Tierreich ausleben - gleich dem Luchs oder Wolf.

Die Jägerschaft ist mitverantwortlich für die vielen Wildunfällen. Schweizweit kollidiert durchschnittlich jede Stunde ein Auto mit einem Reh.
Daraus ergeben sich pro Jahr 20 000 verunfallte Tiere im Strassenverkehr.
Dabei werden 60 Personen verletzt und es entsteht Sachschaden von 25 Millionen Franken. Die Jägerschaft richtet viel mehr Schaden an, als das Wild dem die Jägerinnen und Jäger hinterherjagen. Die Jägerschaft verursacht Personenschäden (rund 300 Jagdunfälle pro Jahr in der Schweiz), Umwelt-, Sachschäden, Artenschäden usw, die weit über den durchschnittlichen 2%  der Verbissschäden durch das Wild an Pflanzen bzw. Holzertrages liegen in der Schweiz.

Es gibt längst zivilisiertere Methoden um Populationen steuern zu können. Die Jagd steht in der Kritik. Sie ist ethisch fragwürdig und nach Ansicht von namhaften Forschern auch ökologisch und ökonomisch kontraproduktiv, ja sogar schädlich.

Wage es, weise zu sein! Höre auf, Tiere zu töten!
Wer die Stunde des rechten Lebens hinausschiebt, gleicht nur dem Bauern, der darauf wartet, dass der Fluss versiegt, ehe er ihn überquert.
Horaz


mit freundlichem Gruss Astrid Wallier

 
Mensch und Tier sind gleichwertig, beide haben das Recht auf Leben und das Recht auf Respekt. Je hilfloser ein Lebewesen, ob Mensch oder Tier, je grösser ist sein Recht auf Unterstützung und Schutz. Menschen haben die Verantwortung, mit Lebewesen würdevoll umzugehen.